Schöne Dinge in Fett

“Love fades away, but things are forever.” – Aziz Ansari

Beginnen Sie erst gar nicht mit dem Verhör; ich bekenne mich schuldig. Ja, ich mag schöne Gegenstände und ich wünsche mir, dass sie schön bleiben: Vielleicht ist schon das vollendet spießig. Das Urteil ist leider längst gesprochen: Ich bin der Vetter des Pedanten im Kleingartenverein, der seine Maulwurf-Fallen in symmetrischen Figuren auf dem Rasen anordnet.

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Photo Ove Overmyer (cc by-nc-sa)

Ronald McDonald trägt Handschuhe; alle Anderen stopfen sich die Fettfritten mit den nackten Fingern obszön in den Schlund. Damit kann ich kein Problem haben. Ich freue mich ja schon über Kleinigkeiten, zum Beispiel, dass nicht mehr gemeinsam mit dem Mund aus einem Trog gefressen wird. Meine Erwartungen sind gering und ich begrüße jede noch so kleine Umsetzung zivilisatorischen Fortschritts. Was an der Imbißbude durchgeht, braucht aber nicht auch noch neue Welten erobern. Es erscheint nicht nur aus dem Bauch heraus verbrecherisch mit fettwarmen Broilerhänden in einer der verbliebenen Gutenberg-Bibeln zu blättern oder der Mona Lisa schelmisch eine verschwitzte Stirn aufzumalen. Schöne Dinge werden auf diese Weise weniger schön.

Nun braucht es dafür keine Jahrhunderte alte Frau mit legendär schönem Lächeln oder ein historisch wichtiges Buch, das zumindest schön gedruckt ist. Meine Kunstschätze spielen da eher in einer kleinbürgerlichen Liga: Auch ich besitze ein paar bescheidene, aber wunderbar-illustrierte Bücher und kaum jemand würde auf die Idee kommen diese Bücher mit den Frittierfettfingern durchzulesen. Diejenigen, die es doch tun, halten ein schönes Buch wahrscheinlich immer noch für einen Gebrauchsgegenstand, der keiner besonderen Pflege bedarf. Allerdings habe ich auch noch von keinem ritualisierten Pommesessen mit anschließender Lesestunde gehört.

Anders sieht die Sache verrückterweise beim Gesellschaftsspiel aus. Wir scheinen ohnehin in einer Zeit angekommen, in der kein Abend mehr ohne eine Tüte Chips verbracht werden kann, kein Kinofilm ohne Nachos mit Käsesoße, kein Besuch in einem Möbelhaus ohne Fleischbälle. Im Kino oder zwischen den Billys werden aber zum Glück keine Figuren betatscht, keine Karten langsam mit Spicy-Dip balsamiert, keine Spielbretter mit einem Film aus Fett und exotischer Gewürzmischung überzogen. Ich stelle Fest: Ein Spiel ist ein Gebrauchsgegenstand, der nicht viel wert ist und leicht ersetzt werden kann. Schönheit wird einem Brett- oder Kartenspiel gemeinhin nicht zugesprochen. Man darf sie also schänden.

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Photo Cavale Doom (cc by-nc-nd)

Verschwendung ist in diesen Tagen ohnehin der große Hit. Alles unter dem Fabergé-Ei wird beliebig oft ausgetauscht. Was bisweilen wie eine Notwendigkeit daherkommt, lässt sich tatsächlich leicht vermeiden: Indem man all die schönen, oft aber vor allem auch nützlichen Dinge nicht gedankenverloren knechtet. Übersetzt heisst das: Schmiert mir meinen Kram nicht ein; ich habe ein Interesse daran ihn auch morgen noch zu benutzen ohne daran festzukleben.

Macht mich das nun allen Ernstes zu einem Pedanten? Ja, das tut es. Lustfern verderbe ich den Spieleverderbern das Spiel. Der Gesetzgeber sieht dafür gegenwärtig noch keine Strafe vor. Da habe ich Glück. So bleibt es dabei, dass sie mich stattdessen einfach alle auslächeln. Die verdiente Strafe für alle harmlosen Formen der Pedanterie, ich akzeptiere sie ohne weiteres Murren.

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This entry was published on 23/03/2014 at 23:59. It’s filed under Sonstiges and tagged , , , , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

5 thoughts on “Schöne Dinge in Fett

  1. Krischn on said:

    Kann ich den Text so verstehen , dass meine Post dich erreicht hat?

  2. afracooking on said:

    Meine stirn lag beim lesen in falten – nun, bedeutet auf jeden fall, dass ich dich nicht gleichzeitig anlaecheln kann…..

  3. Henning on said:

    Das ist schade, aber verständlich. Wie gesagt: Ich bin vollumfassend schuldig.

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