Deutsche Sprache, schwere Sprache

Machen wir uns nichts vor: Die deutsche Sprache klingt wie ein eitriger Husten. Unter Sprachexperten dürfte sich bereits herumgesprochen haben, dass es ein harter Kampf ist unseren Zungenschlag zu erlernen. Ein Glück also, dass er mir in die Wiege gelegt wurde und ich ihn mir nicht mehr qualvoll erarbeiten muss.

tandemtandem
Photo State Library of Victoria Collections (cc by)

Ich erarbeite mir lieber einfachere Sprachen: Das Schwedische zum Beispiel. Es begleitet mich schon jahrelang; eine ganze Weile habe ich sogar in Schweden gelebt. Nach meiner Rückkehr ging es mit der Flüssigkeit des Schwedischen leider immer weiter bergab. Frage: Wie ist diesem Problem zu begegnen? Antwort: Mit einem Sprachtandem.

Die Kenner nicken, die Unkundigen kratzen sich am Kopf. Zu einem Sprachtandem braucht man einen Partner, der in der Sprache bewandert ist, die man gerne lernen möchte und hilft ihm umgekehrt mit der Sprache, die man selber kann. Dazu müssen die Grundlagen sitzen. So ein Tandem bietet vor allem Konversationstraining ohne den Muff eines Seminarraumes.

Seit einigen Wochen reaktiviere ich also meine langsam angestaubten Schwedischkenntnisse und lerne sogar Neues dazu. Da ich gleichzeitig die Rolle des Deutschlehrers übernehme, wird mir immer klarer, warum das Deutsche als so komplizierte Sprache gilt.

“Never knew before what eternity was made for. It is to give some of us a chance to learn German.” – Mark Twain (Notebook #14, 11/1877 – 7/1878)

Mark Twain konnte ein wenig Deutsch und hasste die Sprache von Herzen. Seinen Lernprozeß schilderte er in dem inzwischen berühmten Essay The Awful German Language, der übrigens auch Unbeteiligten zu empfehlen ist. Ich kann seine Frustration nachvollziehen – dabei hatte er es als Amerikaner sogar verhältnismäßig leicht. Stichwort: Germanische Sprachfamilie. Auch das Schwedische teilt mit dem Deutschen einen beträchtlichen Teil seines Wortschatzes. Schlimm wird es aber meist anderenorts. So war mir der Irrsinn von haben und sein bis vor Kurzem nicht bekannt. Wenn wir im Deutschen über die Vergangenheit reden, machen wir das meistens im Perfekt und dafür brauchen wir entweder haben oder sein. Wann zur Hölle nehme ich aber das Eine und wann das Andere?

Wir sind zu Hause geblieben, aber ihr habt die Fleischbälle nach Mettmann gefahren.

Ich bin früh gegangen, aber er hat noch bis drei Uhr Fleischabfälle gegessen. Ich habe den Ausflug genossen, er hingegen ist inzwischen gestorben.

Was für den Muttersprachler so ungemein sinnig erscheint, stellt Schüler des Deutschen vor ziemliche Probleme. Sicher, es gibt Daumenregeln: Zum Beispiel benutzt man sein eher bei Bewegungen. Aber diesen Kram ständig im Kopf zu haben, ist für einen Sprachanfänger eben nicht ganz so leicht.

Einmal ganz abgesehen davon, dass die schwedischen Fälle keine sonderliche Endungsvielfalt haben. Der Schwede kennt – am Beispiel des Wortes haben – nur die Beugungsform har: Jag har, du har, han har, …und so weiter.

Bei uns habe ich, du hast, er hat …und so weiter. – ihr wisst, wie der Wahnsinn fortschreitet. Mir ist bekannt, dass es in anderen Sprachen noch viel wahnsinniger zugeht. Nichtsdestotrotz gilt: Wer sich vornimmt Deutsch zu lernen, der braucht gute Nerven.

Ich war immer schon an Sprachen interessiert, das Deutsche eingeschlossen. Dennoch bin ich erst durch mein Sprachtandem in die Situation geraten mich in jemanden hineinversetzen zu müssen, der dabei ist Deutsch zu lernen. Mir war auch bekannt, dass es schwer ist die deutsche Sprache zu meistern. Wo allerdings überall Probleme auftauchen können, das überrascht mich jetzt jede Woche aufs Neue. Ein Tandem kann ich also nur empfehlen: Allein schon zum Durchschauen der eigenen Sprache.

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This entry was published on 16/02/2014 at 16:48. It’s filed under Sonstiges and tagged , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

2 thoughts on “Deutsche Sprache, schwere Sprache

    • Henning on said:

      Ich sollte öfter bei der DW reinhören. Danke für den Link. Die Aussicht auf etwas weniger Ballast im Deutschen lässt mich überdies gut gelaunt in die Zukunfft blicken.

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