Hits Hits Hits

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Photo Tai O’Leary (cc by)

Jahresende, Zeit der Rückblicke. Als wenn es nicht schon genug Vergangenheitsbewältiger geben würde, muss natürlich auch ich meinen Quark zur Sache beisteuern. Es geht um Musik, leider kaum um Hits. Da seid ihr der reißerischen Überschrift auf den Leim gegangen. Ich habe versucht fünf Stücke zu finden, die mich 2013 besonders begeistert haben. Als Bonus gibt es noch fünf weitere Songs aus der Kategorie Außer Konkurrenz/ Honorable Mention, so dass am Ende zwar keine Top10 herauskommt, wohl aber zehn feine bis wirre Stücke, die ihr unbedingt kennenlernen solltet.

Speedy Ortiz – No Below

Seit Jahren habe ich kein so wunderbares Liebeslied mehr gehört. Sadie Dupuis, die Stimme von Speedy Ortiz, muss es vorsichtig singen, denn das Stück ist zerbrechlich. Trotz traurigem Grundton strotzt es voller Hoffnung und Lebensbejahung. Es wagt den Blick zurück, ohne dabei in kitschige Nostalgie zu verfallen und ist doch in der Hauptsache gegenwärtig. Text und Musik ergänzen sich reibungslos.

Speedy Ortiz hätten ohne Probleme in den Slacker-Kreisen des Alternative Rock der 90er existieren können – ihr Song No Below ebenfalls. Mich freut es außerdem, dass ich Jochen mit meiner Begeisterung anstecken konnte. Er hat sich die Mühe gemacht mehrere Live-Versionen des Stücks zusammenzusuchen.

Darwin Deez – You Can’t Be My Girl

Nach dem Liebeslied, nun das Anti-Liebeslied: You Can’t Be My Girl könnte die Hymne aller Außenseiter werden. Mir gefällt das eingängige Gesamtpaket genauso wie die smarte Idee dahinter. In dieser Liste taucht es aber vor allem auf Grund des großartigen Clips auf, den Keith Schofield für Darwin Deez angefertigt hat: “A story of unrequited love, told with stock footage” – mein Musikvideo des Jahres.

Parquet Courts – Stoned and Starving

Mir tut es beinahe ein wenig leid, dass ich hier vor allem Rockmusik aufliste. Tatsächlich höre ich allen möglichen Kram und ich glaube dem musikalischen Jahr 2013 nicht ganz gerecht zu werden. Nun ist es aber so, dass es sich bei meinen Jahresfavoriten meistens um Rockmusik handelt. Muss an der Sozialisation liegen. Parquet Courts aus den US of A haben ein tolles Schrammelrockalbum aufgenommen. Der Song Stoned and Starving erzählt auf den Punk(t) gebracht, wie es eben so ist, wenn man stoned and starving durch die Straßen New Yorks wankt: “I was reading ingredients, asking myself should i eat this?” Probably yes.

Primal Scream – 2013

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie es eine Handvoll Bands schaffen über Jahre hervorragende Musik zu veröffentlichen. Im Fall von Primal Scream werden mir sicher Einige widersprechen wollen. Die Band hat praktisch seit ihrer Gründung viel einstecken müssen. Nach meiner Erinnerung warf man ihr besonders gern vor Rip-Off von irgendetwas anderem zu sein. Ich hingegen finde, dass sie sich konstant gewandelt haben, immer frisch geblieben sind und dabei durchaus eigen. Ich liebe ihr uraltes Screamadelica genauso wie ihren XTRMNTR und nun eben ihr junges Album More Light aus diesem Jahr.

Kleine Randnotiz: Liebe Musiker, bitte tut mehr Saxophon in eure Lieder. Sagen sie jetzt nichts. Ich bin ja schon ruhig; und sicher doch, ich weiß um Baker Street und so und wehret den Anfängen.

Chastity Belt – Evil

Die Auswahl des fünften Songs ist mir schwer gefallen. Selbst als ich mich mit mir selbst auf die unbeugsame Frauencombo Chastity Belt geeinigt hatte, war mir noch nicht klar, welchen ihrer Songs ich wählen würde. Das Debüt der Band hat allerlei zu bieten. Allein der Titel ist schon etwas wert: No Regerts [sic!]. Um ein Haar hätte ich mich für das Niveaurockstück Giant Vagina entschieden. Wahrscheinlich fiel die Wahl nur deswegen auf Evil, weil mir dessen Ich-gegen-den-Rest-der-Welt gut gefällt. Von so viel Selbstbewusstsein kann sich mancher Rapper noch eine Scheibe abschneiden und das will etwas heißen.


Außer Konkurrenz / Honorable Mention

Die folgenden Stücke gehören irgendwie in meine Liste der Lieblingslieder des Jahres und irgendwie auch wieder nicht. Ich wollte sie an dieser Stelle nur nicht unerwähnt lassen.

Rhye – The Fall

Das Album Woman des Duos Rhye ist zweifelsohne eine meiner 13er Lieblingsplatten und The Fall eines deren Herzstücke. Nun ist dieser melancholische Blick auf die Vergänglichkeit mit Sade-Anleihen leider schon 2012 als Single erschienen. Aber wer wird das so eng sehen? Vor allem auch in Kombination mit dem superben Clip ein ganz großer Wurf. Nebenbei: Ja, da singt tatsächlich ein Mann.

William Onyeabor – Love is Blind

Im Zweifel gilt: Der Talking Head David Byrne wird schon wissen, was gut ist. Byrnes Label Luaka Bop gräbt immer wieder hebenswerte Schätze der internationalen Musik aus. In diesem Jahr ist den Damen und Herren dort etwas ganz besonderes gelungen: Sie haben William Onyeabor für ein größeres Publikum erschlossen. Onyeabor veröffentlichte zwischen 1978 und 1985 einige Alben in Eigenregie. Er tat dies in seiner Heimat Nigeria. Anschließend wurde er ein wiedergeborener Christ und schon war es vorbei mit der Musik. Luaka Bop hat versucht das Beste aus Onyeabors Schaffen auf der Kompilation Who is William Onyeabor? zusammenzustellen und dabei – so weit, wie ich es überblicken kann – einen sehr guten Job gemacht.

Kyary Pamyu Pamyu – Invader Invader

Was zur Hölle ist das? This is not Sparta, this is Japan! Und Japan tritt Sparta locker aus dem Bild. Japanische Kultur schafft es immer wieder, dass ich mich wie paralysiert auf meinen Bildschirm starrend vorfinde. Wer glaubt allen Wahnsinn gesehen zu haben, wird in Japan eines besseren belehrt. Kyary Pamyu Pamyu ist ein Superstar des J-Pop. Sie ist vergleichbar mit Lady Gaga, wirkt also weitaus mehr über ihr Image, als über ihre etwas plumpe Musik. Die Single Invader, Invader aus diesem Jahr besteht im Wesentlichen aus folgendem Text:

Da da da da invader
I guess I’m an invader, yay yay yay!
Da da da da invader
Even in your town, pipopipopipo
Da da da da invader
I guess I’m an invader, yay yay yay!
Da da da da invader
Fashionistas, let’s take over the world!

Pipopipopipo. Das ist Pop in Reinform und in bunte Kostüme gehüllt. Mein Dank gilt diesem Blog für die Übersetzung aus dem Japanischen.

Rummelsnuff – Bratwurstzange

Ich finde, dass ich in diesen Post schon genügend Videoclips eingefügt habe. Deswegen werden die letzten zwei lediglich verlinkt. Den Ersten habe ich mir von meinem eigenen Fleischblog geklaut und dass er hier nicht direkt erscheint, geschieht auch zu eurem Schutz. Zitat: Rummelsnuff ist einer dieser Typen. Ich rate nur den Hartgesottenen sowie Grill- und Wurstliebhabern zum Konsum von Clip und Song. Eigentlich geht Rummelsnuff sein Werk klug an. Er singt oft über des Deutschen liebste Dinge, zum Beispiel Autoschrauberei und eben das Grillen, gepaart mit Muckis und aufgeplusterter Maskulinität. “Männer hier im Thüringer Land, wenden scheulos mit der Hand.” Das ist möglicherweise sogar wahr und gleichzeitig schade, denn machen Männer im Thüringer Land für die Damen auch gelegentlich vegetarische Lasagne? Wahrscheinlich eher nicht.

Nic, Milan & Keyboard Rebel – Miss You

Ich erinnere: Wir befinden uns nach wie vor in einem sehr persönlichen Best Of der Songs des Jahres. Daher darf auch Miss You nicht fehlen. Gemeinsam mit einigen Kollegen habe ich in diesem Jahr ein kleines Festival auf die Beine gestellt, bei dem sich einige Musiker zudem zusammenrotteten, um Lieder zu schreiben und aufzunehmen. Die Hymne Miss You ist eines dieser Stücke. Es ist vielleicht nicht das beste Stück, das 2013 zu bieten hat; es trägt aber ausgezeichnet den angenehmen Spirit unseres Festivals, dessen 2014er Ausgabe ihr unbedingt in Erwägung ziehen solltet.

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This entry was published on 30/12/2013 at 14:28. It’s filed under Töne and tagged , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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