Verwandte unter die Erde bringen

Nur mit wenigem kann man sich wirklich sicher sein: Dass Radio Hamburg das genaue Gegenteil zum “Besten von heute” spielt, zwei Mal im Jahr Hamburger Do(o)m, Stau vorm Elbtunnel. Ach, genau, und dass wir alle sterben werden.


begrabniskindPhoto paukrus (cc by)

Vergangene Woche war es wieder so weit. Es verblich jemand, den ich gut kannte. Das geschah nicht in einem Freak Accident, wie zum Beispiel einer farbenfrohen Explosion. Nein, das Verbleichen kann durchaus wörtlich genommen werden. Leben entwich über Wochen schleichend und gleichzeitig voller Qual. Das hat der Tod nun mal so an sich: Nur selten geht jemand mit guter Laune und meistens bleibt ein Leichnam. Wir zumindest hatten einen zu bestatten.

Der Tod ist in diesem Land sehr genau geregelt. Es existieren trotzdem erstaunlich viele Möglichkeiten zur letzten Ruhe. Wir hatten keinen Grund zur Kreativität. Die verstorbene Person wurde auf herkömmliche Weise eingebuddelt, ein Pfaffe sprach ein paar Worte, wir saßen zuvor auf hölzernen Kirchenbänken und sangen uralte protestantische Lieder. Es war lieblos und ernst, so wie es der protestantische Gott gern hat.

So möchte ich nicht gehen: Zum einen selbstverständlich nicht mit jahrelanger, langsam zermürbender Krankheit im Gepäck, zum anderen nicht mit so einer Feier. Früher habe ich immer behauptet, ich möchte von Scheiße erschlagen werden, zack und weg, wie es hin und wieder mit gefrorenen Fäkalien aus Flugzeugen vorgekommen sein soll. Wenn das nicht klappen sollte und ich einen vorzeigbaren Kadaver abgebe, dann würde ich meinen Verwandten heute eher eine Irish Wake nahelegen.

Hier wird das sehr gut erklärt. Kondensiert ausgedrückt handelt es sich dabei um eine eher fröhliche Totenfeier, bei der Familie und Freunde meist im Haus des Verstorbenen zusammenkommen und ihn mit Geschichten und Getränken verabschieden. Dabei wird betont den Tod als Teil des Lebens zu begreifen. Niemand wird mit seiner Trauer alleingelassen, niemandem werden Emotionen verboten, niemand ist in erdrückendes Ritual-Klein-Klein eingezwängt. Letztenendes sollte Trauer immer eine Angelegenheit der Hinterbliebenen sein und ich fände es unklug denen eine Trauerform vorzuschreiben. Allerdings würde es mich freuen, wenn ich wüsste, dass mir einmal so gedacht wird und auch ich hätte diese Woche am liebsten auf diese Weise getrauert.

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This entry was published on 01/12/2013 at 23:59. It’s filed under Sonstiges and tagged , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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