Alle gegen den Protzbischof

Franz-Peter Tebartz-van Elst ist nicht nur ein Mann mit vielen Bindestrichen im Namen; er ist auch der Aufreger der Woche: Der Kerl lügt, er verprasst den Kirchenschatz und kümmert sich wenig um das Geschwätz der Sterblichen. Man könnte meinen er sei ein katholischer Bischof. Aber Moment: Er ist tatsächlich ein katholischer Bischof. Der Mob ist trotzdem außer sich vor Wut; der Mob hat aber offensichtlich wenig Ahnung vom Katholizismus.


IMG_1708Der Dom über Limburg an der Lahn: Hier wirkt der Protzbischof – Photo: kursikowski (by cc)

Heiße Tage im Bistum Limburg: Ein Geistlicher lebt in Saus und Braus! Kruzifix, das ist ja mal was ganz Neues. Anhänger der neuzeitlichen Kuschelreligion verschlucken sich vor Schreck an ihren Hostien. Jungbischof Tebartz-van Elst irritiert die Gläubigen mit ihnen völlig unbekannten bischöflichen Charakterzügen. Der Blick auf die geistlichen Popstars hat sich über die Jahre nämlich wundersam gewandelt – vor allem weil protestantische Postergirls, wie zum Beispiel Frau Käßmann, seit Jüngstem die warmherzigen, verständnisvollen Seiten ihres misogynen, homophoben, wissenschafts- und fortschrittsfeindlichen Ziegenhirtenkults hervorzuheben verstehen oder weil der neue Alleinherrscher über die letzte absolut-geführte europäische Wahl-Monarchie ach so modern daherkommt.

Ob nun Lutheraner oder Katholik, die Augen der Wischiwaschi-Gläubigen erkennen in ihrem irdischen Führungspersonal inzwischen immer öfter die Menschen hinter den gottgewollten Amtsinhabern. Welcher der beiden großen Konfessionen ein Geistlicher angehört, ist zunächst einmal egal. Immerhin sind ja alle irgendwie spirituell, sie nehmen wichtige gesellschaftliche Funktionen wahr und sind als Christen schließlich auf der gleichen Seite. An allen Orten Lobgesang auf die Ökumene. Der Otto-Normalchrist beherrscht es nicht nur, die horriblen Stellen in seinen heiligen Texten zu ignorieren oder umzuinterpretieren; er verwischt mit der gleichen Geisteshaltung die Unterschiede zwischen den Konfessionen. Tatsächlich ist es nach wie vor etwas gravierend anderes ein protestantischer oder ein katholischer Bischof zu sein.

Schon ein kurzer Blick zu Wikipedia genügt, um näheres zur Stellung eines römisch-katholischen Bischofs zu erfahren. Siehe da: “Er ist allein dem Papst verantwortlich.” Richtig gehört: Nicht dem Teppichhändler aus Bad Homburg oder der Maurerin aus Montabaur, sondern nur dem Oberhirten. So jemand wird selbst dann nicht schamesrot, wenn man ihn im 21. Jahrhundert nach mutmaßlicher Geburt des Heilands mit “Eure hochwürdigste Exzellenz” anredet. Das ist die Ebene, in die ein katholischer Geistlicher gehört und über die wir hier reden. In den Worten des Religionssoziologen Gustav Mensching: “Die ungeheure Hoch- und Überschätzung des Priesterstandes, wie sie im Katholizismus vorliegt, ist die selbstverständliche Folge der Grundeinstellung, die (…) das sakrale Tun (…) im Leben allem anderen Tun überordnet.”

Es erscheint auf den ersten Blick paradox, doch die katholische Kirche ist seit hunderten von Jahren dennoch eine überaus weltliche Kirche. Während sich Protestanten mit neumodischem Quatsch, wie dem persönlichen Verhältnis zu Gott auseinandersetzen, lässt der Katholik Fünf gerade sein, dank Beichte und kleiner Spende – ein Genußmensch, der nicht erst im Himmelreich auf seine Kosten kommen möchte. Selbstverständlich steht der Löwenanteil der Genüsse dem entrückten Priesterstand zu. Dem Gläubigen ist es gestattet dessen Herrlichkeit zu bewundern und mit dessen Hilfe in den Himmel aufzufahren; der Geistliche selbst besitzt für die Reise nach oben bereits eine Art Freifahrtschein und findet daher mehr Zeit für die Aufgaben als Repräsentant seiner Konfession – und von Repräsentation verstehen sie bei der katholischen Kirche so einiges:

maildomMailänder Dom – Photo Christopher John SSF (cc by)

muenkirHeilig-Geist-Kirche München – Photo digital cat (cc by)

petersdPetersdom in Rom – Photo Patrik Tschudin (cc by)

Wenn sich ein katholischer Bischof überhaupt für irgendetwas rechtfertigen muss, dann doch für einen Flug in der schäbbigen Economy Class. Nie würde man so einen Mann besoffen am Steuer erleben, wie die alte Schnapsdrossel Margot Käßmann. Ein katholischer Bischof wird gefahren! Der Vorgänger seiner hochwürdigsten Exzellenz Franz-Peter – auch ein Franz – kannte noch den Trick 17 aus dem großen Buch bischöflicher Verschlagenheit:

“[Bischof Franz] Kamphaus wusste seine Bescheidenheit (…) geschickt in Szene zu setzen. Natürlich nutzte er einen Dienst-BMW samt Chauffeur. Wenn er sich aber zu einem Termin fahren ließ, etwa einer Firmung, ließ er sich zwei Häuserblocks vorher absetzen – und kam dann mit Baskenmütze, den Bischofsstab unterm Arm, die letzten 200 Meter zu Fuß.”

So also wird man ein Mann des Volkes.

Bischof Franz-Peter ist nun zur Beichte nach Rom geflogen – sehr wahrscheinlich auf einem hölzernen, mit Dornen versehenen Sitz in der Büßerklasse. Dort wird ihn der heilige Vater unter goldbesetzten Engeln neckisch in die Seite knuffen und ihm ein paar warme Worte mit auf den Weg geben. Anschließend verpackt van Elst den heiligen Rat gekonnt in eine verschwurbelte Entschuldigung, die irgendwie doch keine Entschuldigung ist und der Frieden wird nach Limburg zurückkehren. Das zumindest wünsche ich dem Bilderbuch-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von ganzem Herzen. Amen.

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This entry was published on 12/10/2013 at 19:30. It’s filed under Sonstiges and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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