Wahlkampfsongs

plakate Photo Stephan Mosel (cc by)

Heute ist es endlich so weit. Wir bringen die Wahl hinter uns. Bevor sich in den kommenden Tagen und Wochen niemand mehr daran erinnern will was war und was eigentlich kommen sollte, sei an dieser Stelle noch ein kurzer Blick zurück gestattet. Der Wahlkampf war nämlich gar nicht so langweilig, wie er immer wieder geredet wurde. Das lag allein schon an der Begleitmusik: Die demokratische Wahl ist ein Kessel voller Klänge.

Wahlkampfsongs sind keineswegs eine neue Erscheinung, die uns auf dem Weg in die gefürchteten und deswegen oft bemühten “amerikanischen Verhältnisse” entgegenkommen. Musik gehört seit je her genauso zum Wahlkampf, wie die Rede im Bierzelt. Man denke nur an die Internationale oder das Wessel-Lied, die zwar nicht explizit für Wahlkämpfe geschrieben, sehr wohl aber in diesen genutzt wurden. Was muss ein Wahlkampfsong leisten? Er muss möglichst viele Leute ansprechen, im Mindesten aber die jeweilige Stammklientel einer Partei oder eines Kandidaten. Es wundert deswegen nicht, dass die meisten Wahlkampflieder der Populärmusik zuzuordnen sind.

Nun haben wir uns möglicherweise schon genug über zum Beispiel den aktuellen Wahlkampfsong der CDU amüsiert – eine Art glitschige Mischung aus Juli und Silbermond.

Es ist musikalisch der kleinste gemeinsame Nenner und überdies eine Aneinanderreihung von Plattitüden, für die hoffentlich irgendwo Köpfe gerollt sind. Wenn nicht “CDU-Wahlkampfsong” darunter stehen würde, man könnte nicht erkennen für welche Partei das Stück eigentlich werben soll. Doch früher war nicht alles besser. Nixon Now – Teil von Richard Nixons 72er Wahlkampf – ist abgesehen vom Titel ähnlich inhaltsleer:

Dass die USA zumindest eine gewisse Vorreiterrolle bei der Entwicklung und vor allem Verbesserung von Wahlkampagnen haben, ist nun tatsächlich schwer zu leugnen. Besonders beliebt ist dort das Einspannen von Prominenten. Während sich weite Teile der A- B- und C-Prominenz in Deutschland zumindest heutzutage eher an den eigenen Innereien aufhängen würden, als sich für eine Partei ins Zeug zu legen, schaut das in den USA seit langem anders aus – sehen wir einmal von alten Wahlkampfschlachtrössern wie Günter Grass (ehemals SS, nun SPD) ab. Frank Sinatra zum Beispiel hat sich immer wieder für die Kennedys stark gemacht:

Als kleine Randnotiz sei dabei erwähnt, dass Sinatra derartige Werbung durchaus nicht immer gut bekommen sein soll. Sinatras Verbindungen zum Mob sind inzwischen weit und breit beackert worden. Don Corleone und Kollegen waren Gerüchten nach überhaupt nicht davon begeistert, dass die Kennedys – kaum gewählt – die Bekämpfung der organisierten Kriminalität ganz oben auf ihre Agenda rückten.

Nur sehr selten kommt es vor, dass sich Künstler zusammentun, um selbst eine Partei zu gründen. Noch seltener ist es, wenn sie damit auch Erfolg haben. Die Damen und Herren von der Besti Flokkurinn haben vor einigen Jahren das Unmögliche möglich gemacht. Besti Flokkurinn ist Isländisch und heisst nichts anderes als Die beste Partei. Wer bis jetzt noch nichts davon gehört hat, sollte unbedingt etwas mehr über diese Ansammlung von Paradiesvögeln und ihren Kopf Jon Gnarr lesen. An dieser Stelle gibt es nämlich nur den tollen Wahlkampfsong der Partei – was auch sonst?

Da kann Tina Turner einpacken. Es geht aber noch skurriler. Dafür muss man entweder ganz weit weg sehen oder sehr nah an die Basis heranzoomen. Wie wunderbar andersartig Election Songs in fernen Ländern sein können, beweist das Team um Dr. Ernest Bai Koroma aus Sierra Leone, der sich mit diesem Song auch bei der letztjährigen Wahl durchsetzen konnte.

Nicht weniger exotisch geht es im Wahlkreis 66 zu. Bei der CDU Elbe-Elster hat man längst alle Scham abgestreift. Da Udo Jürgens offenbar nicht zur Verfügung stand, nahm man den folgenden Song einfach mit Mitteln auf, über die sie in Sierra Leone müde schmunzeln können.

Damit wäre der Abgrund erreicht, mit dem ich diesen Beitrag schließen möchte. Und sollte sich euer Lager heute unter den zahlreichen Wahlverlierern befinden, dann kann ich nur dazu raten beim nächsten Mal einfach selber einen Song zu schreiben, der die Massen mobilisiert. Das ist, wie ihr seht, offenbar gar nicht so schwer. Die Latte liegt tief.

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This entry was published on 22/09/2013 at 20:08. It’s filed under Töne and tagged , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

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